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Schokolade đŸ«, Pasta 🍝 und Banane 🍌: Essen mit Kleinkind kann stressen

22.03.2023 ⋅ 9 Minuten zum Lesen

 Wir sind Cheyenne und Zulu, ein Paar, und haben ein Kind - Polly. Das Leben ist teilweise ziemlich unberechenbar fĂŒr uns. Als wir aber feststellten, dass wir nicht alleine mit den kleinen alltĂ€glichen Problemen sind, die uns als Paar und Familiei etwas angehen, haben wir entschieden, diesen Podcast zu starten. Im heutigen Blogartikel zur passenden Podcast-Episode geht es um das Thema Essen. Wir gehen das offen an, nehmen kein Blatt vor den Mund und diskutieren offen ĂŒber das Thema. Wir sind wild und so geht es nicht einfach nur um Nudeln, sondern gleich um Pasta und Punkrock. 

"Komm', wir gehen romantisch ins Fast-Food Restaurant"

Was fĂŒr euch jetzt klingt, als ob wir eine Food-Anarchie leben und uns den GelĂŒsten der System-KĂŒche hergeben - nein, das tun wir definitiv nicht. Wir gehen relativ selten in so ein Restaurant, aber dieses eine hatte es uns wirklich angetan. In einem 20er Jahre Haus gab es Burger, bevor wir auf eine Veranstaltung gegangen sind. Die Architektur war schon schön, aber mein Gott, bleiben wir beim Thema. Das Thema Essen fĂŒhrt in jeder Familie zu Diskussionen, denn es gibt a) das Essen fĂŒr die Eltern und b) das Essen fĂŒrs Kind. Wenn ihr richtig gut seid, bekommt ihr a) und b) unter einen Hut. Wie das als junge Eltern so ist - wir ĂŒben noch. In meinem speziellen Fall ist es so, dass ich noch einen Buchstaben c) hinzufĂŒge, das sagt zumindest Zulu ĂŒber mich, weil ich Essen nicht nur mit Nahrungsaufnahme und Genuss verbinde, nein, es sind auch jedes Mal SchuldgefĂŒhle, die beim Anblick von Kalorien und Vitaminen in mir arbeiten.

Wie kann ich bei meinem Kind einen bewussten Umgang mit Essen erzielen, wenn ich selbst Probleme habe?

Ich habe beispielsweise SchuldgefĂŒhle, wenn ich tierische Produkte esse, wenn etwas dick macht oder wenn es einfach ungesund ist. Zu diesem Thema haben wir eine WhatsApp Nachricht von Regula bekommen, die Ă€hnlich fĂŒhlt wie ich, aber aus anderen GrĂŒnden. "Ich habe keine entspannte Haltung zum Essen, weil sie mir einfach nicht vorgelebt worden ist. Mein Essen wurde immer rationiert und so habe ich nie gelernt, aus Lust zu essen. Leider bin ich nicht sehr schlank und habe das Problem, etwas positiv vorzuleben, mit dem ich selbst Probleme habe." Wir alle lassen uns beeinflussen von diversen Themen zum Essen. Zulu geht einen Schritt weiter, er ist sogar der Meinung, dass das Thema Essen mittlerweile einer Religion gleicht. Was ist richtig, was ist falsch, was macht intelligent? Er findet die Entwicklung von Ratgeber-BĂŒchern und KochbĂŒchern bedenklich und bezeichnet sich beispielsweise als recht lustvollen und schnellen Esser, hat er doch neulich seinen neuen Favoriten gefunden, eine Sauce zum Randensalat. Wer gerne das Rezept haben möchte, schreibt gerne eine Nachricht in die Kommentare. Wir mögen diesen Salat recht gerne und Polly wĂ€hlte ihn beim einkaufen. Als wir etwas damit kochen wollten, kam das Statement: "ich habe Randen gerne, aber heute nicht!" 

Keine Zeit zum Lesen? Du kannst die Episode auch hier oder auf deinem Handy hören

Essgewohnheiten der Vergangenheit und eigene Problemzonen

Zulu hat Mitte zwanzig eine Tendenz zum Bauch entwickelt, der sich zum Ranzen mauserte, das hat ihn lange geplagt. Mittlerweile hat er sich mit seiner Körperform angefreundet und sagt mich Nachdruck: "Ich bin, wie ich bin." Da muss ich lachen, denn so ganz kann ich da nicht mitgehen. Selbst Polly hat ihren Babybauch noch etwas lĂ€nger behalten, eigentlich war sie zu der Zeit gar kein Baby mehr. Zulu liebt seine Tochter und sieht ĂŒber einen Bauchansatz hinweg: "Ich denke doch nicht an ihren Bauch oder den Zucker, wenn es darum geht, ob sie ein StĂŒck Schokolade haben darf." Ich sehe darin ein Problem, dass Adjektive wie dick oder dĂŒnn eine positive oder negative Wertung haben, in dem Moment, in dem sie ausgesprochen wurden. Polly hat gar kein Problem damit, sie empfindet diese Wörter noch als wertfrei, zum GlĂŒck, kommt aber mit SĂ€tzen aus dem Kindergarten wie: "Ich habe einen Bauch." Mein Gewicht selbst ist schwankend und ich habe es nicht einfach, eine Jeans oder einen Pullover kaufen zu gehen. Bei 165 cm wiege ich ca. 85 kg und trage Kleidergrösse 44. Oft hören die KleidungsstĂŒcke im normalen GeschĂ€ft bei Grösse 42 auf und es zeigt mir, dass ich nicht richtig bin hier. NatĂŒrlich haben wir alle verschiedene Körper und ich bin die breiteste Frau aus meiner Familie und man hat mir bereits als Kind gesagt, dass ich dick sei. Seitdem habe ich eine verkrampfte Einstellung zum Essen. Das macht keinen Spass mehr. Unsere Hörerin Miriam hat das gleiche GefĂŒhl: "In der PubertĂ€t wĂ€chst man mit Idealen auf wie Victoria Beckham und eigentlich sollte man sagen, ich bin gut so. Das versuche ich meinen Kindern auch so mitzugeben, ich hoffe, dass es funktioniert."


Essen als Erlebnis. Der Vorschlag einer Podcast-Hörerin

MĂ€nner und Frauen: der Umgang mit Nahrungsmitteln ist anders

Hörerin Anna sagt, dass ihr Partner Markus recht einfach gestrickt sei, was das Thema Essen angeht. Es solle satt machen und leicht zuzubereiten sein, am besten wĂŒrde noch Ketchup oder Mayonnaise darĂŒber gegeben. Ihre Einstellung hingegen sei, dass es wertvolles GemĂŒse geben mĂŒsse, weil man ja "ist, was man isst". Aufwendiges Kochen ist nicht tĂ€glich praktikabel, das wissen wir alle aus eigener Erfahrung und nur weil man Essen selbst fĂŒr richtig gut und sinnvoll hĂ€lt, heisst es noch lange nicht, dass die Kinder das auch so sehen. Erst mit dem Kindergarten oder der Einschulung wurde das bei Anna schwieriger und lacht und gibt zu, dass bei ihr gerne mal pragmatisch die Buchstabensuppe auf dem Tisch stehe. Sie möchte nicht, dass das Essen eine Verhandlungssache in der Familie wird, auch Spiele hĂ€lt sie fĂŒr nicht sinnvoll. Zulu und ich einigen uns darauf, dass es eben kein Verbrechen ist. Auch wenn Polly einmal etwas "nicht Gesundes" gegessen hat, wĂ€hlt sie danch ein Obst, einfach weil sie weiss, dass sie das jetzt braucht. Wichtig ist, dass Polly gesund und fit ist. Wir möchten unserem Kind nicht durch Regeln und Verbote den Genuss am Essen nehmen. Eine Regel besteht jedoch bei uns: wir essen am Tisch und wir essen zusammen. 

Das Dessert an eine Regel binden kann nicht sinnvoll sein

Dabei hat sich Zulu ertappt, weil er das Dessert an eine Bedingung geknĂŒpft hat. Wir haben herausgefunden, dass "gut essen" nicht gleichbedeutend mit "viel essen" stehen muss, es geht um das VerhĂ€ltnis. Wenn noch so viel Platz im Bauch fĂŒr einen Dessert ist, warum kann dann nicht noch die warme Hauptspeise vom Gang davor darin Platz haben? Auch wir haben festgestellt, dass die PrĂ€ferenzen beim Essen mit dem Kindergarten komplizierter geworden sind. Wir haben aber derzeit noch einen Trick auf Lager: Pasta mit Sauce funktioniert immer. Und es liegt an uns, wie ausgewogen diese Sauce ist und was wir dort kochen. Jegliches GemĂŒse funktioniert sehr gut darin, was uns ehrlich freut. 

Essen als Erlebnis - zusammen kochen und GemĂŒse wachsen sehen

FĂŒr Hörerin Andrea ist es wichtig, dass die Kinder den Zusammenhang zwischen dem Entstehen von Nahrungsmitteln und dem Prozess der Zubereitung entdecken. Im eigenen Garten sehen sie Tomaten oder Erbsen wachsen, sie wissen, wie eine Pflanze wĂ€chst und wie man sie zubereitet. Ihr ist vor allem auch wichtig, dass wenn in Kind beispielsweise etwas nicht essen möchte oder Nein am Tisch sagt, dass diese Grenzen auch eingehalten werden. Auch fĂŒr uns ist das ein echter Ansatz und Zulu freut sich immer noch, wenn er erzĂ€hlt, dass die RĂŒbli direkt aus der Erde kamen. Wir essen wenig bis fast ĂŒberhaupt kein Fleisch und Polly weiss, u.a. auch, dass Tiere sterben mĂŒssen, wenn wir Fleisch essen. Polly hilft dabei, Salat oder Apfelmus zuzubereiten, das finden wir sehr wichtig, dass ein Kind am Entstehungsprozess beteiligt ist. Was wir vor allem am Wochenende nicht schaffen, ist das Essen zu Ă€hnlichen Zeiten, dafĂŒr schlafen wir einfach zu gerne zu lange und so wird aus einem geplanten FrĂŒhstĂŒck auch gerne mal ein Brunch. Eine Hörerin geht so weit, dass es so gut wie gar keine Regeln gibt. Es wird gegessen, was gekocht wird, aber es muss nicht gegessen werden, um den Druck nicht zu erhöhen. Es gibt kein Drama, wenn nicht aufgegessen wird. Die einzige Regel hierbei ist, dass nach dem Znacht-Essen nichts mehr im Bett gegessen wird, der KrĂŒmel wegen. FĂŒr uns stellt sich die Frage, ob es schlau ist, wenn sich die Kinder selbst das Essen zusammenstellen dĂŒrfen, also dĂŒrfen sie schöpfen? Wie viel oder wovon entscheidet dabei das Kind, sie findet es wichtig, dass ein Kind auf seinen Körer hören darf. Ist das vielleicht erfolgsversprechender? Wir finden, das ist ein interessanter Punkt, weiter darĂŒber nachzudenken. Ich ertappe mich oft dabei, zu fragen, ob Polly nicht ein RĂŒebli probieren möchte. Damit forciere ich nicht das Essen, sondern ich ermutige sie, unterschiedliche Zubereitungen auszuprobieren. 

Das Fazit unserer Umfrage: "Wir haben keine grossen Regeln, aber..."

Sind wir so nicht alle? Humorvoll betrachte ich die goldenen Ausnahmen und habe sie euch zusammengestellt.

Polly hat sogar eine Schublade, in der z.B. ihre Halloween-SĂŒssigkeiten gebunkert werden. Sie hat ihre SchĂ€tze dort, vergisst sie aber und sie sind nicht mehr wichtig. Ich interveniere manchmal, indem ich sage, "hey, wenn du mehr davon isst, wird dir schlecht" und das stimmt ja auch. Wir wissen, dass sie beim Hörspiel-Hören oder Video schauen gerne snackt, das unterstĂŒtzen wir gerne mit FrĂŒchten. Hörerin Anne-Kathrin hat eine Tochter, die hingegen eine totale Snackerin ist und am liebsten 12 mal am Tag Snacks esse möchte. Manchmal kommt die Tochter zehn Minuten vor dem Znacht Essen, da erhĂ€lt sie ein Nein, weil sie so lange noch warten kann. Wir stellen fest, dass wir die Kinder zwar nicht stressen möchten, es aber doch immer wieder tun, weil wir einfach so hohe Erwartungen an sie haben. Windeln weg, Nucki weg, genug schlafen, wir mĂŒssen in den Kinski gehen, du musst das essen. Wir können nicht erwarten, dass unsere Kinder wissen, was Kohlenhydrate sind. Das wussten wir auch erst als Erwachsene.

"Spinat macht stark" und andere Tipps

Mit dieser Popeye-Weisheit wurden wir frĂŒher erzogen und wir haben die SprĂŒche geschluckt wie unser Essen, heute hĂ€ngt viel mehr dran. Ich halte fĂŒr mich fest, dass ich mein Kind dort stresse, wo auch ich gestresst bin.

Mit einigen Tipps von unseren Hörer:innen und von uns verabschieden wir uns aus dieser Episode der Rotzphase: 

Ein Buchtipp von Nathalie:
Kinder verstehen "Born to be wild - wie die Evolution unsere Kinder prÀgt" von Herbert Renz-Polster

Magazin: "Fritz und FrÀnzi - ElternMagazin"

Pocasts:
Anyworking Mom - ErnĂ€hrung "Viele ErnĂ€hrungsmythen sind Chabis"

 

 

 

 

 

 

Daniela 1
Daniela Thielecke

Daniela bringt ĂŒber 17 Jahre Radioerfahrung in die Podcastschmiede ein, sie entwickelte kreative Kampagnen fĂŒr namhafte Unternehmen in Deutschland, ihr digitales Marketing Know-How sammelte sie in Schweizer Start-Ups. ZurĂŒck in die Audio-Welt zu kehren bedeutet fĂŒr sie, Podcasts erfolgreich zu vermarkten.