Andrea Blatter
16.09.2021
6 Minute(n) zum Lesen
Tipps & Tricks, Technik

Das richtige Audio-Equipment

(Wobei wir gleich vorausschicken möchten: Ein Richtig oder Falsch gibt es hier grundsätzlich nicht. Trotzdem möchten wir in diesem Blogpost eine kleine Materialschlacht veranstalten :))

Im Zusammenhang mit Podcast-Produktionen werden wir immer wieder nach dem Material gefragt, das wir verwenden.

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort, denn unser Equipment unterscheidet sich je nach Produktion und Setting stark. Die Mehrheit interessiert sich für die Mikrofone, die wir verwenden. Viele wollen aber auch über unser Mischpult oder unser Schneidprogramm Bescheid wissen. Deshalb hier einmal eine - nicht vollständige und nicht in Stein gemeisselte - Liste unseres Materials. (Nicht in Stein gemeisselt deshalb, weil auch wir immer wieder neues Material entdecken und ausprobieren, manchmal auf Neues umsteigen und später wieder auf Altes zurückwechseln.)

Aufnahmen

In diesem Schritt spielt das Setting eine entscheidende Rolle. Deshalb einige unterschiedliche Aufnahmesituationen:

Studio

Wir haben ein eigenes Studio im Technopark in Winterthur. Es besteht aus Holzwänden und ist in einen eigenen Büroraum eingebaut, um ein optimales Aufnahmesetting zu schaffen. Neben Schallisolation hat es einen höhenverstellbaren Tisch für Studiogespräche, ein Mischpult, einen PC, einen Mikrofon-Arm mit zwei fest installierten Mikrofonen und mehrere Kopfhöreranschlüsse.

In unserem Studio verwenden wir das RØDECaster Pro Mischpult. Wir nehmen meistens doppelt auf, nämlich einerseits über das Mischpult direkt und andererseits über einen angeschlossenen PC. So haben wir eine Backup-Aufnahme, falls mit einer Aufnahme etwas nicht geklappt hat. Das Mischpult hat vier Mikrofon-Fader (also Hebel, mit denen jedes einzelne Mikrofon gesteuert werden kann) sowie die Möglichkeit, PC-Audio aufzuzeichnen und Jingles abzuspielen. Alle diese Elemente werden auf unterschiedliche Tonspuren aufgezeichnet. Bei den Einstellungen können beispielsweise Lautstärke und Tiefe der Stimme eingestellt werden.

Die Mikrofone, die in unserem Studio zum Einsatz kommen, sind Electro-Voice RE20, also klassische Studiomikrofone.

Als Nierenmikrofone (mehr zu den unterschiedlichen Richtcharakteristiken hier) eignen sie sich ideal für Gesprächsaufnahmen. Das RE20 ist ein dynamisches Mikrofon und kein Kondensatormikrofon (der Unterschied liegt darin, wie die Mikrofone Schallwellen in Signale umwandeln. Bei dynamischen Mikrofonen passiert das mithilfe einer dicken Membran, die schwingt und diese Schwingungen auf eine Metallspirale überträgt. Die Spirale bildet dann mit ihren Bewegungen quasi die Schallwellen ab. Bei Kondensatormikrofonen geschieht die Übertragung über eine viel dünnere Membran. Diese hat als Gegenpart im hinteren Teil des Mikrofons eine Metallplatte. Beide Teile werden elektrisch aufgeladen und dadurch entsteht eine Spannung, wenn die Membran schwingt. Dynamische Mikrofone sind deshalb etwas robuster und kommen ohne Stromspeisung aus, Kondensatorenmikrofone nehmen auch leisere Geräusche besser auf, brauchen dafür aber immer Strom). 

Für unsere Studiozwecke eignen sich dynamische Mikrofone, denn sie nehmen Sprache und Stimmen sauber auf und filtern einen Grossteil der leiseren Hintergrundgeräusche wie das Rascheln von Kleidung oder Atemgeräusche von Interviewpartner:innen zwischen den Antworten. Ausserdem sind sie aufgrund der einfacheren Bauart häufig deutlich günstiger als Kondensatormikrofone und deutlich weniger anfällig auf Verzerrungen. Kondensatormikrofone kommen hingegen häufig zum Einsatz, um vielfältige Geräuschkulissen oder etwa sanften Akustiksound aufzuzeichnen, da sie eine grössere Bandbreite an Frequenzen abbilden können.

Gelegentlich kommt für unsere Podcast-Aufzeichnungen auch das RØDE Procaster zum Einsatz, das ähnliche Spezifikationen aufweist wie das EV RE20.

Trotz eingebautem Popschutz in beiden Mikrofonen verwenden wir zusätzlich verstellbare Popschütze, aufgebaut ist das alles auf einem mehrteiligen, verstellbaren Mikrofonarm von Yellowtec. Dieses Setting hat sich für Interview- und Gesprächsaufzeichnungen mit bis zu 3 Gästen bewährt.

Zusätzlich haben wir in unserem Studio einen Cloudlifter angeschlossen. Dieser Vorverstärker sorgt dafür, dass das Eingangssignal des Mikrofons bereits quasi «unterwegs» verstärkt wird. Dafür hebt der Cloudlifter das Signal der Mikrofone um bis zu 25dB an. Hilfreich kann das zum Beispiel sein, wenn für das Studiosetting lange Mikrofonkabel nötig sind, die für einen schwächeren oder weniger satten Klang sorgen. Die Aufnahmen im Nachhinein einfach lauter zu pegeln, führt nämlich dazu, dass auch Störgeräusche oder allfälliges Rauschen lauter hörbar sind.

Aussenaufnahmen

Häufig sind wir für unsere Podcast-Produktionen auch auf Ausseneinsatz und Reportagen unterwegs und dabei benutzen wir wiederum unterschiedliche Geräte. Grundsätzlich meistens dabei ist ein Zoom H5. Dieses Aufnahmegerät bietet vier separate Aufnahmespuren und zwei eingebaute Kondensatormikrofone, die in einem 90°-Winkel angeordnet sind und sich so für Stereoaufnahmen eignen.

Das Zoom selbst ist eigentlich ausreichend für Aufnahmen. Wir nutzen es allerdings meist in Kombination mit einem oder mehreren externen Mikrofonen, um eine noch bessere Soundqualität zu erreichen. Für Reportagesituationen zum Beispiel verwenden wir meistens ein RØDE NTG-1, das wir am Zoom anschliessen.

Dieses Kondensator-Richtmikrofon ist mit guten 100g sehr leicht und eignet sich deshalb gut für Aussenaufnahmen. Es kommt auch häufig bei professionellen Filmdrehs zum Einsatz, da es gut an Kameras angehängt werden kann oder auch an einer Angel nicht schon nach wenigen Minuten zu schwer wird. Bei Aussenaufnahmen sollte es mit einem Popschutz und einer «Dead Cat», also einem Windschutz ausgestattet werden, da es als Kondensatormikrofon sehr empfindlich auf alle Arten von Geräuschen ist. Es nimmt zum Teil auch weiter entfernte Hintergrundgeräusche noch deutlich auf, deshalb sollte auch auf diese geachtet werden. Genau das ist aber wie bereits oben erwähnt auch die Stärke des Kondensatormikrofons, nämlich, dass es eine grössere Bandbreite von Sounds aufzeichnet.

Wenn wir für einen Podcast ein Interview oder Gespräch in einem Aussensetting führen möchten, dann verwenden wir gern auch Funkmikrofone in Kombination mit dem Zoom. Unsere Wahl hierfür sind die «Wireless GO»-Funkmikrofone, ebenfalls von RØDE. Diese können Gesprächsteilnehmer:innen einfach an den Hemd- oder T-Shirt-Kragen gesteckt werden. Das Empfänger-Gegenstück wird am Zoom angestöpselt. Die Mikrofone können so individuell gepegelt und eingestellt werden. Auch diese Mikrofone sind sehr sensibel auf alle Arten von Geräuschen, deshalb sollten Gesprächspartner:innen zu Beginn unbedingt darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie nicht mit ihren Halsketten spielen oder ihre Bartstoppeln kratzen sollten, denn diese Geräusche erscheinen sonst sehr prominent auf der Aufnahme. Grundsätzlich ist es immer zu empfehlen, direkt bei der Aufnahme mit dem Zoom bereits einen Kopfhörer anzuschliessen und einen kleinen Soundcheck zu machen. So hört man immer direkt, wie die Aufnahmen später klingen.

Post-Produktion

Für die Nachbearbeitung unserer Audios und den Schnitt verwenden wir das Programm «Audition» von Adobe. Mit mehreren Tonspuren und zahlreichen Einstellungen und Möglichkeiten für Mixing und Mastering hat es sich für uns bewährt. Die Tastenbefehle helfen ausserdem dabei, schnell und effizient damit zu arbeiten (diese werden angezeigt unter «Edit» -> «Keyboard Shortcuts»)

Für die Bearbeitung nutzen wir gewöhnlich die Studiokopfhörer SONY MCR-7506. Sie sind bequem und lassen sich bei Bedarf zusammenklappen, sodass sie auch gut auf Ausseneinsatz mitgenommen werden können.

Hast du noch weitere Fragen zu unserem Equipment? Oder möchtest sonst etwas übers Podcasting wissen? Dann melde dich bei uns für einen Beratungstermin, wir helfen gerne weiter.

Andrea draussen Web

Autor

Andrea Blatter

Andrea hat ihre Freude an Geschichten und Worten schon früh entdeckt, als Übersetzerin hat sie sie aber zuerst nur schriftlich zu ihrem Beruf gemacht. Beim Radio hat sie in den letzten Jahren gelernt, ihre Leidenschaft in die Audio-Welt zu übertragen - und genau das macht sie jetzt für die Podcast-Schmiede, mit dem Ziel, für jeden Kunden genau die richtigen Worte zu finden.